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Geschichten aus dem Eselgarten

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Wartburg - Eselei

Erleichtert!

Hurra! Ich habe eine Woche Urlaub! Freundinnen aus Münster übernehmen die Versorgung der noch winterlich flauschigen Langohren und ermöglichen mir so meine Reise zum Waldbaden in Steinbach im Thüringer Wald . DANKE, Britta und Anna!  

Und wenn ich schon in der Nähe der Wartburg bin, will ich unbedingt in den Räumen, in denen Elisabeth von Thüringen und Martin Luther zuhause waren, deren Geist atmen. 

Die Touristenesel sind Gottlob durch liebevoll gestaltete Holztiere ersetzt worden. Sie verschönern nicht nur museumsmüden Kindern, sondern auch schnell erschöpften Lisas den Aufstieg. Von einer Spielstation linse ich schon neugierig zur nächsten, lerne fast unbemerkt die basics der komplexen Burggeschichte und weil ich dann noch alle fünf Meter fotografieren muss, weil alles einfach so wunderschön ist, bin ich gefühlt ruckzuck oben auf der Burg.

Den Eseln sei Dank!

22. Mai 2024

Thüringer Waldesel

Gefunden!

Bei unseren Spaziergängen und Fahrten durch den Naturpark halte ich mit einem Auge Ausschau nach den Thüringer Waldeseln, einer vom Aussterben bedrohten Rasse.

Und ENDLICH: Da stehen sie an der Straße durch Seligenthal! Auf  Vollbremsung und Kehrtwende folgen nicht enden wollendes Kuscheln, Knuddeln, Bestaunen und eselige Glückseligkeit. Es geht eben einfach nicht ohne Langohren! Die reizende braune Eselin mit den warmen Augen ist als Zugabe die beste Freundin der Rassestute und für mich das Schokosahnehäubchen des Tages.

20. Mai 2024

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Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Käse draus!

Veredelt!

Der Eselgarten liegt eingebettet in Kornfelder, Wiesen und Weiden. Auf einer von ihnen grasen Kühe für himmlisch duftende Biomilch. Lotte liebt Kühe. Wenn wir auf Spaziergängen welche treffen, bleibt sie stehen und pumpt ihre Lungen kräftig auf, um dann mit einem phänomenalen Eselschrei das Fleckvieh geschlossen an den Zaun zu rufen. Es gibt Filme davon.

Kuhhirtin Lotte liebt also Kühe. Ich mag Milchprodukte. Am liebsten selbstgemacht. Die Zeit ist ja durch die Erkrankung nun mal da und verlangt nach sinnlicher Beschäftigung. Deshalb hole ich fast jede Woche drei Liter Rohmilch vom Hofladen der Biokühe, um zu käsen.

Ganz knapp bevor die Milch aufsteigt, gieße ich den Saft einer Zitrone oder selbstgemachten Essig hinein. 

Sofort trennen sich die festen Bestandteile von der Molke. Dabei gleichmäßig rühren, damit nichts ansetzt! Beides schütte ich dann durch einen mit Käseleinen ausgelegten Durchschlag, lasse die Masse abtropfen und abkühlen, bevor ich einen Esslöffel voll Salz und Chiliflocken oder frischwürzigen Thymian einknete. Durch ein Teesieb gepresst erhält der Käse seine Form. Obendrauf essbare Blüten. Das Auge isst schließlich mit. Lecker!

 

17. Juni 2024

Eselgold

Wertig!

Rosalie und Lotte produzieren Dung. Den kompostiere ich und nutze ihn für den Gemüseanbau in Hochbeeten. Seitdem beschert mir das Eselgold Zucchini, Kürbisse, Karotten Knoblauch, Erbsen, Zwiebeln, Pastinaken, Mangold, Spinat, Salat, Rote Melde und Grünkohl. Ich liebe mein leckeres Gemüse direkt aus dem Garten. Morgens schaut man einfach, was gerade erntereif ist und worauf man so Lust hat, und mittags wird superfrisch gekocht. In den Hochbeeten landet alles Organische, was im Garten anfällt: das Herbstlaub der Bäume, vom Sturm heruntergepustete tote Zweige, Zapfen, altes angegammeltes Heu, natürlich das Eselgold und, ja, auch Rasenschnitt. Der ist zwar voller Samen, aber der frische Dung verbrennt vieles. Die paar Wildkräuter, die es trotzdem schaffen zu wachsen, jäte ich schnell weg. Oder sie kommen mit in den Salat. Obendrauf auf die Hochbeetbefüllung kommt eine dicke Schicht Humus. Der hat sich schon Dank hungriger Kleintiere in den älteren Beeten  entwickelt und wird jetzt in das neue Beet geschaufelt . Das alte wird wieder neu gefüllt mit Dung, Zweigen, Laub.... So habe ich im Eselgarten einen Kreislauf, in dem nichts verschwendet, sondern alles umgesetzt wird in fruchtbare Erde, die mich ernährt.

27. Juni 2024

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Schnecken

Eingeschleimt!

Gewitter machen hungrig. Dafür habe ich Verständnis.

Aber in diesem Jahr überschreiten sie Grenzen und rasieren auch das junge Gemüse weg. Sorry, das soll vor allem MICH ernähren. Wer das nicht respektiert, wird umgesiedelt; Fluchtversuche bemerke ich schnell und verhindere sie.

Dafür überwinde ich sogar meinen Ekel vor den glitschenden Mundräubern. Neuerdings fasse ich sie tatsächlich an und betrachte sie mit Interesse statt Abscheu. Weil man den erstaunlich klebekraftvollen Schleim nur schwer wieder von den Fingern entfernen kann, trage ich dafür Handschuhe. Kann es sein, dass das ganz sensible Tiere sind, die sich langsam mit offenen Sinnen an alles herantasten, was sich ihnen in den Weg legt, sich sofort zusammenziehen und totstellen, wenn man sie berührt? Ich entwickle Mitgefühl. Hätte ich niemals gedacht! Sie tun einfach nur das, wofür sie geschaffen wurden. Nämlich abgestorbene Pflanzenteile zu zersetzen. Sie folgen ihrer Bestimmung. Und naschen, wenn sie schonmal da sind, auch hier und da "ein wenig". So ein paar lecker knackig frisch grüne Gemüseblätter. Wer könnte es ihnen verübeln? Und Erdbeeren. Und Kohlrabi. Mangold ...

Mitgeschöpfe eben. Werden TROTZDEM umgesiedelt!

30. Juni 2024

Hütte für kleine und GROßE Eselhirten

Geborgen!

 

Ganz hinten im Eselgarten, verborgen unter Buchen, Birken und Fichten, steht eine Holzhütte. Hier ist der Eselgarten schon ein richtiger Waldgarten. Für mich ein wohltuender Ort mit seinen ätherischen Ölen, dem kühlende Schatten und seinem natürlichen Regenschutz.

Ich habe die Hütte schwedenrot gestrichen und nach und nach für mich hergerichtet.

Sie gehört mir genauso wenig wie der Eselgarten. Beides habe ich 2008 gepachtet, lange bevor die Esel zu mir kamen. Deshalb achte ich darauf, dass ich alles rückgängig machen kann, was ich für mich verändere. Mit den Eseln ist das 12 Quadratmeter kleine Häuschen meine Hirtenhütte geworden. Ich liebe es, dort zu übernachten inmitten der kleinen Herde. Es gestaltet die Beziehung zu den Eseln neu.

Sogar Josh und Lotta fühlen sich dort sicher. Der kleine Raum, den Josh zu verteidigen hat, ist übersichtlich und von der Straße aus nicht einzusehen. Die beiden Yorkies, die sonst eher temperamentvoll bis nervös sind, entspannen dort genauso schnell wie ich.

Es ist mein Bullerbü,- der Ort, an dem ich Belastendes außen vor lassen und für kurze Zeit im Hier und Jetzt leben kann, bevor ich mich wieder um Ämter und Behörden kümmern muss.

Ein Zufluchtsort.

 

2. Juli 2024

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Man sieht nur mit dem Esel gut

Berührt!

Die Esel sind geputzt, die Pilger allesamt eingetroffen. Sie wollen neue Erfahrungen sammeln in Begleitung der Esel.

Doch wer Neues aufnehmen möchte, muss Altes ablegen. Sorgen, schwere Gedanken, mit Bedacht bereitgelegten Zetteln anvertraut, bleiben im Eselgarten.

Schnell finden Eselinnen und Pilger nach dem Start zueinander, der Führstrick wird hier und da weitergegeben, weil mehr Pilger als Esel da sind.

Die Langohren zeigen gleich an der ersten Flickstelle im Asphalt, was Achtsamkeit ist. Sie bleiben stehen, betrachten die Naht, den Farbwechsel, erwägen die Gefahr. Erst als sie sicher sind, dass ihnen nichts geschehen wird, gehen sie weiter. Erschnuppern Gülletröpfchen, die die Maschine eines Landwirts verloren hat. Lauschen dem Meckern einer Ziege am Hang. Erhaschen hier und da einen Leckerbissen an der Böschung.

Die Pilger sind eingeladen, es den Eseln gleichzutun. In diese Gezwitscher-Stille hineinzuhorchen, das eine oder andere Wildkraut zu probieren und die feine Weinbergschnecke an der Haselrute ganz genau zu betrachten. Dem Esel die Hand auf den Widerist zu legen, um seine Bewegungen zu spüren.

Mit wachen Sinnen öffnet man sich dem Geist, für die Erzählung von dem Blinden, der Jesus um Heilung bittet. Die Pilger denken und fühlen sich nach Jericho, tauchen in die Geschichte ein und machen ihre ganz eigenen Erfahrungen mit den Protagonisten. Lange ist es ganz still am Bibeltisch an der Bärenhütte.

Wer sich geistlich gestärkt wieder im Hier und Jetzt einfindet, stärkt sich als nächstes am Buffet mit Jesu Lieblingsspeise, dem Brot, und selbstgemachten Aufstrichen.

Zurück im Eselgarten möchte niemand seine Sorgen wiederhaben. Wen wundert's? Die neue Sicht der Dinge will geborgen bleiben, so wie der einst Blinde Sehender blieb.

Erst im Nachgang sehe ich auf den Fotos, dass Pilger und Esel im Gleichschritt liefen. Ich habe nicht bemerkt, dass sie sich bewusst dazu entschieden hätten. Ganz selbstverständlich verbanden sich Menschen und Tiere miteinander im Einklang.

 

4. Mai 2024, eingestellt am 3. Juli 2024

Spuren im Sand

Eindrucksvoll!

 

Die "Weide" von Rosie und Lotte ist mit Sand aufgefüllt. Der soll bewirken, dass die Fläche nach Regen schneller abtrocknet und die empfindlichen Eselhufe gesund bleiben.

Bei den andauernden Regenfällen versagt der Sand allerdings und die Fläche verwandelt sich dort, wo die Stuten sehr häufig hermarschieren, in fette Matsche. Das ist ganz schlecht für die Hufe. Sie weichen auf, verformen sich, reißen ein und brechen. Das muss man sich so vorstellen, als ob wir auf unserem dicken Zeh, genauer auf seinem Nagel, laufen. Wenn der reißt und bricht, tut das weh. Richtig weh!

Es muss jetzt also entweder aufhören zu regnen. Ein Oder fällt mir nicht ein.

Aber in der Matsche habe ich heute Morgen Waschbärspuren entdeckt. Und wohin führen sie? Schnurstracks zu den paar Hochbeeten, in denen ich noch nie Schnecken angetroffen habe. Ich dachte, die mögen vielleicht die Zwiebeln und den Lauch nicht, die ich dort gesetzt habe. Allerdings habe ich mich beim Schneckensuchen gewundert, warum die Pflanzen in diesen Beet umgedrückt am Boden liegen...

Kombiniere: Herr oder Frau Waschbär futtert die Schnecken aus dem Beet und knickt dabei, weil er oder sie nun mal ein bisschen moppelig geraten ist, meine zukünftige Ernte um. Fluch oder Segen? Egal, das Gemüse dort ist hin. So oder so.

Aber irgendwie auch schön zu wissen, dass da ein Bärchen in meinem Garten heimisch ist, und nachts, wenn die Hunde und ich in der Hütte schlafen, an uns vorbei wackelt. Wie sich wohl die Esel mit ihm verstehen?

Das bleibt vorerst ein Geheimnis der Nacht.

 

3. Juli 2024

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Joghurt

Vergessen!

Wenn ich den Tag wegen Kraftlosigkeit vergammeln muss oder schlechte Laune habe, muss ich unbedingt noch etwas Produktives machen, damit der Tag nicht vergeudet war.

Deshalb mache ich heute Joghurt! Denn dem Ablehnungsbescheid für meinen Antrag auf Erwerbsminderungsrente muss noch etwas Gutes entgegengesetzt werden.

Ich habe noch einen Liter Rohmilch vom Hofladen im Kühlschrank. Die muss zunächst auf 95 Grad erhitzt werden und dann wieder bis auf 60 Grad abkühlen. Ich habe tatsächlich noch ein Thermometer aus meiner Spinnrad-Kosmetik-Phase in den frühen Neunzigern, das mir jetzt gute Dienste leistet.

Es geht aber auch ohne. 95 Grad heiß ist die Milch kurz vor ihrem Siedepunkt. Die Milch rumort und brodelt im Topf wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch, steigt aber noch nicht auf.

Und bei 60 Grad kann man so gerade eben wieder den kleinen Finger in die Milch stecken.

Dann wird sie geimpft. Dazu gebe ich in einen Liter vier Esslöffel Joghurt. Meinen ersten habe ich mit einem Demeter Naturjoghurt geimpft. Seitdem lasse ich von meinem selbstgemachten immer etwas übrig, um damit weiterzuarbeiten.

Er wird jetzt gut mit dem Schneebesen in die Milch eingerührt. Sie gieße ich in heiß ausgespülte Weckgläser, lege die Glasdeckel auf und dann darf Joghurt elf oder zwölf Stunden dick eingemummelt in meinem Schlafsack schlafen, um die Wärme zu halten.

Was habe ich mich schon über ihn geärgert, weil er viel zu warm ist, um darin zu übernachten. Es sei denn, man zeltet im Januar. Oder man ist ein Joghurt.

Wenn ich ihn dann ganz vorsichtig aufwecke - ja, ich spreche dann mit ihm - habe ich superfrischen, schneeweißen, unberührten, lebendigen Joghurt. Selbstgemacht. Ich bin die allererste, die ihn sieht. Ein Glücksmoment.

Weshalb habe ich heute nochmal Joghurt gemacht? Vergessen.

4. Juli 2024

Dufte Zöpfe

Wirksam!

Knoblauch hält Wühlmäuse von den Hochbeeten fern. Das habe ich letztes Jahr aus Erfahrung gelernt. Das Beet, in dem Möhren und Knoblauch aufwuchsen, war das einzige, in dem keine  Gemüsepflanze mir nichts dir nichts im Boden verschwand.

Deshalb habe ich seit Oktober unzählige Zehen in fast alle Beete gedrückt. Mit Erfolg. Bisher keine Wühlmäuse. 

Entsprechend reich fiel um den Johannistag herum die Ernte aus. Was für ein Duft hing da in den letzten Tagen unter dem Dach der Gartenhütte, direkt vor dem Fenster, wo die Knollen abtrockneten!

Heute war das Laub gerade richtig, um es zu einem Zopf zu flechten. Ich habe es richtig genossen zu flechten, freue mich jetzt an meinem Vorrat für den Winter und frage mich, ob nun die Wühlmäuse zurückkehren.

4. Juli 2024

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Kollateralschaden

Angefressen!

Esel lieben Holz! Sie können einen trockenen Stamm in wenigen Stunden wegfräsen. Deshalb sind alle Bäume im Eselgarten ein - oder ausgezäunt.

Umso überraschter war ich, als ich das Morgenheu auf die Futterstationen verteilte. Eine Buche war der Länge nach von der Wurzel bis in über zwei Meter Höhe abgeschält. Das noch feuchte Holz glänzte mir im Morgenlicht entgegen. Da hatten meine Grauen ja lange Nasen gemacht, um über den Stromzaun hinweg an das  Kambium heranzukommen, das zwischen Rinde und Holz die meisten Nährstoffe führt. Das macht für Esel durchaus Sinn. Ihre wilde Verwandtschaft lebt noch heute in den Steinwüsten Afrikas und Asiens. Futter ist dort äußerst knapp. Man muss sehen, wo man bleibt. Wenn man da mal einen Baum findet, muss man zuschlagen. So sind alle Esel geprägt, egal ob wild oder domestiziert.

Aber meine Buchen?! Verflixt, das ärgert mich wirklich. Noch vor ein paar Tagen lernten die jüngsten Spatzen der zweiten Brut in ihren Zweigen das Fliegen.

Ein Eselpilger hatte mir im Mai geraten, Baumwunden mit Holzlasur zu schließen. Die hat man ja doch häufiger zuhause als Baumwachs und deshalb schneller zur Hand.

Fand ich erstmal ungewöhnlich, leuchtete mir aber ein: Eine Lasur schützt Holz vor Zersetzung durch Holzwürmer oder Pilze. Genau das brauchte meine Buche.

Einen Nebentrieb gab ich geschlagen. Den konnte ich jetzt gleich absäbeln und sukzessive an die Täter verfüttern.

Ach ja, die  nachlassende Handkraft.... Sie ist das Erbe des CFS. Die Säge blieb stecken. Da war nichts mehr zu machen. Aber Herunterbiegen konnte ich das dünne Stämmchen immerhin, über den Zaun zu den Leckermäulchen hin.

Sie haben es sich schmecken lassen und gaben dabei sogar ihren Zahnstatus frei, den einzusehen ich mich seit Wochen bemühe. So einfach und so kompliziert ist das.

Es ist Zeit für den Zahnarzt.

5. Juli 2024

Wollesel

Umgarnt!

Gott sei Dank haben Rosalie und Lotte noch immer ihr Winterfell. Aber es hat schon begonnen, ordentlich zu jucken und sich zu lösen. Schubbert sich ein Eselchen an mir, sehe ich nachher selbst aus wie eins. So schnell geht eine Haarübertragung.

Da helfe ich mal lieber nach und bürste kleine grau-weiße Hügel feiner Härchen aus dem Fell. Der Esel.

Ich habe mal einen Test gemacht: Eselhaare kann man tatsächlich filzen! Jetzt bin ich ganz wild darauf. Es wäre viel zu schade, die flauschigen Haare wegzuwerfen.

Deshalb lege ich sie in mehreren Schichten übereinander zu einem Rechteck, mal längs mal quer. Zum Schluss kommen Tupfen weißen Bauchfells darauf, alles mit sattem Seifenwasser getränkt und in eine Plastiktüte gepackt. Dann wird gewalkt, was der Pelz hält.

Über Nacht trocknet der Streifen bei uns in der Hütte und wird morgen als Wärmesöckchen um meine Thermoskanne herumgenäht. Die Filzprobe, ein rundes flaches Etwas, taugt wunderbar als Boden. Zierlitze daraufsteppen, freuen!

5. Juli 2024

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Zucchini und Hokkaido

 

Selbstfürsorglich!

Der warme Morgen lädt mit den ersten Sonnenstrahlen regelrecht dazu ein, die Beete und ihre Früchte wieder mit Muße zu betrachten.

Zucchini und Hokkaido haben nach der kalten Regenzeit ihr Wachstum wieder aufgenommen. Die Zucchinipflanze hat riesige Blätter entwickelt, die sie wie Trichter von sich streckt, um dort, wo sie heimisch ist, das wenige Tau- und Regenwasser darin zu sammeln. Die Stiele leiten es zu dem Knotenpunkt, an dem die Blüten und Früchte ansetzen. Darunter strecken sich die Wurzeln in den Boden, um das Wasser und die Nährstoffe aufzunehmen.

Die Kürbisse machen es ganz ähnlich. Nur kriechen die Blätter an langen Ranken durch den Garten und fruchten am Stielansatz.

Wie liebevoll ihr Schöpfer sie bis ins kleinste Detail erdacht hat.

Ich freue mich, wie man sich eben freut vor der Ernte.

6. Juli 2024

Man kann's ja mal versuchen

Erwischt!

Schnecken mögen Holzlasur. Eine besonders große, lange, gefräßige hat ihre Spuren auf dem Anstrich an der angenagten Buche hinterlassen. Sogar noch nach Sonnenaufgang, als alle anderen, nicht umgesiedelten Schnecken, längst von der Arbeit in den Beeten nach Hause gegangen sind, ertappe ich sie auf frischer Tat.

Ob sich die Schnecke den Magen verdorben hat? Wenn sie innen soviel Schleimhaut hat wie außen, müsste es, zumindest für sie, gut ausgegangen sein.

Sie hat bestimmt furchtbar viele Pilzsporen im Schlepptau, die sich in den Baumwunden ansiedeln und ihr zerstörerisches Werk beginnen. Deshalb wird diese hier ganz besonders weit umgesiedelt, soviel steht schon mal fest.

Und dann muss ich wohl doch Baumwachs besorgen. Denn mit all den tierischen Gourmets im Eselgarten leben die Bäume dort doch gefährlich.

Schade, warum können sie sich nicht alle miteinander verstehen und aufeinander Rücksicht nehmen?

Ach ja, da gab es ja selbst im Paradies diese Sache mit dem Apfel und der Schlange. Ist auch beides im Eselgarten. Die ersten rotbackigen Sommeräpfelchen fallen schon ins Gras und im Schnellkomposter habe ich ein Blindschleichennest entdeckt. Ich weiß, das sind keine Schlangen. Sie kommen aber optisch und haptisch ganz nah dran.

Ich fahre jetzt zur Genossenschaft. Baumwachs kaufen.

 

6. Juli 2024

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Risotto mit Gartengemüse

 

Genussvoll!

 

"Einkaufen" im Garten, zwischen den Beeten herumspazieren, mit Muße schauen, was gereift ist, in Gedanken das Rezept zusammenstellen. Dort zwei Möhren aus dem satten Boden ziehen, dort vier Mangold-Stiele brechen. Ein paar Blätter Roter Melde abknipsen und noch eine junge schlanke Lauchstange auswählen.

Dazu zwei, drei Zehen Knoblauch. Molke vom Käsen ist noch da. Das wird ein herrlich buntes Risotto, auf das ich mich schon richtig freue.

 

Erst schwitze ich den Knoblauch in Sonnenblumenöl an. Es hätte Rapsöl sein sollen, aber ich habe mich im Laden vergriffen. Dazu der geringelte Lauch und eine knappe Cappuccino-Tasse voll Risotto-Reis, der im heißen Öl zerplatzt. Jetzt kommen die gewürfelten hellgelben Möhren dazu, bevor alles mit der Molke angegossen wird. Es duftet nach Vielfalt und etwas käsig.

 

Die saftigen Mangoldstiele knacken beim Schneiden, werden eingerührt. Die Blätter garen in Streifen oben auf dem sämigen Gericht. Erst ganz zum Schluss gebe ich die gehackten Meldeblätter dazu. Nur kurz ziehen sie gar, damit ihr phantastisches Pink nicht das gesamte Risotto durchfärbt. Darüber brocke ich den selbstgemachten Käse, der Salz beisteuert, gehackte Walnüsse und das Möhrengrün. Ein Glas kühlen Weißweins dazu. Das Mittagsmahl ist ein Genuss.

 

6. Juli 2024

Es ist Sonntag

Geruhsam! ​

Es ist Sonntag. Die Esel liegen im Sand direkt hinter den Holunder-büschen. Josh lümmelt auf meinem Schoß, auch mir fallen fast die Augen zu. Die Sonne wärmt, Schabbat Shalom. Es ist alles so friedlich.

Dieser Ruhetag ist dringend nötig. Seit die chronische Erschöpfung in meinem Leben Raum greift, ist mir die wöchentliche Auszeit heilig.

Schon ganz früh in der Bibel heißt es, man solle am siebten Tag ruhen. Die ganze Familie und alle, die für sie arbeiten, auch die Esel. Steht da wirklich!

Um mich daran zu erinnern, habe ich die Hüttentür mit Tafellack gestrichen und das Gebot mit Kreide auf die Innenseite geschrieben: "Am siebten Tag sollst du nicht arbeiten. Und dein Esel auch nicht. Gott."

Meine bezaubernde kleine Nachbarin nutzt die Außenseite mit Hingabe und Ausdauer für künstlerische Aufwärmübungen.

Der siebte Tag ist im jüdischen und christlichen Kalender der Samstag. Der Sonntag ist der erste Tag der Woche und mit der Auferstehung Jesu herausragender Wochentag der Kirchen geworden.

Sogar die Gesetzgebung des Landes Nordrhein-Westfalen trägt ihm Rechnung, indem es "alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten" verbietet, die die "äußere Ruhe stören". Das hat sogar meine ukrainische Nachbarin, die Mama der kleinen Zaubermaus, im Integrationskurs gelernt. Die "äußere Ruhe" wirkt auf die innere. Aber nur die erste ist objektiv messbar.

Weil deshalb sonntags unsere Welt stiller ist und man das Dorf geradezu durchatmen hört, verlege auch ich meinen Schabbat manches Mal auf den Sonntag. So wie heute.

Am Zaun höre ich ein kleines Kind "Kutsche" ausrufen. Opa antwortet irgendwas mit "Ausfahrt" und "Opa lenkt!" Ein nostalgisch schönes Exemplar habe ich vor die blühende Kletterrose geschoben. Sie will ausgefahren werden. Heute nicht. Es ist Schabbat. Die Esel haben Ruhetag.

Das Lottchen quengelt. Der Intensität nach hat es entsetzlichen Hunger. Und wenn dieser Hund, der so energisch wie klein ist, Hunger hat, findet NIEMAND Ruhe. Die Sache mit der äußeren und der inneren Ruhe.

Als das zarte Wesen gesättigt ist, verbummeln wir unsere Abendrunde im Sauertal. Josh kann hier frei laufen, Lottchen schnuppern, und ich genieße die friedliche Schönheit dieses Tals.​

7. Juli 2024

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Nächtlicher Ausflug

Sehnsuchtsvoll!

Es ist ganz früher Morgen. Die Spatzen auf dem Hüttendach sammeln sich zum ersten Ausschwärmen in die umliegenden Kornfelder. Ist das ein Gezwitscher!

Im Halbschlaf blinzele ich zum Fenster. Nein es ist noch nicht fünf. Zu dunkel. Ich kann noch ein wenig liegen bleiben.

Dann ein markerschütternder Schrei. Jetzt bin ich doch sofort auf den Beinen, schaue nach den Eseln, aber es ist nur einer da. Rosalie ist einsam, blickt sehnsüchtig Richtung Heuwiese, die an den Eselgarten grenzt. Dort steht Esel Lotte und kommt nicht mehr hinüber. Wieviel einfacher ist es, durch den Stromzaun zu brechen, wenn saftiges Gras auf der anderen Seite lockt, als wenn es im vollgefutterten Magen zu gären beginnt und man nach Hause möchte.

Sie vertragen ja leider kein frisches Gras, wie es hier im fruchtbaren Tal der Altenau wächst. Gibt es in der Wüste ja auch nicht und das Verdauungssystem hat sich noch nicht umgestellt. In ihrer Heimat sind Esel sechzehn Stunden täglich mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. So lange dauert es, bis sie genug vertrocknetes Gras, Gestrüpp und Gehölz gefunden haben, um satt zu werden. Die restlichen acht Stunden verdösen sie in der Sonne. Da meine beiden Schönen ihre acht Stunden gestern schon tagsüber verdöst haben, kam heute Nacht offenbar Langeweile auf. Dazu ein leerer Magen, eine ganze Wiese voll leckeren Grases in Sichtweite... Da kann man schonmal die Beherrschung verlieren und schiebt sich durch die Stromlitzen. Lotte ist da unempfindlicher als Rosalie. Und deshalb stehen sie sich jetzt gegenüber, die Grundstücksgrenzen zwischen sich und wären so gerne wieder vereint. Esel tragen einander im Herzen. Wenn sie satt sind.

Als Lotte bemerkt, dass ich endlich aufgestanden bin - jetzt ist es tatsächlich schon kurz nach fünf - galoppiert sie um das halbe Grundstück herum zum Gartentor, dem offiziellen Zugang zum Eselgarten, und wartet, dass ihr aufgetan wird.

Wie gerne würde ich jetzt ein Foto von ihr machen! Wann steht schonmal der eigene Esel am Gartentor? Aber leider ist schon seit gestern Abend der Akku leer. So darf ich dieses Bild analog genießen und muss lachen über die Kleine mit dem sichtlich dicken Bauch. Möge sie die Rohkost gut verdauen.

9. Juli 2024

Kleine Wäsche

Erfrischt!

Im Eselgarten habe ich nur wenige Textilien. Ein kleines Handtuch, ein Geschirrtuch, einen Waschlappen, Kleidung für die Nacht und natürlich Bettwäsche. Und der Kopfkissenbezug müffelt jetzt nach Hund. Josh übernimmt als Leitwolf unseres Rudels, wann immer ich nicht aufmerksam genug unseren Bau bewache, diese Aufgabe. In der Gartenhütte ist der beste Ausgangspunkt dafür offenbar mein Kopfkissen. Und das müffelt jetzt, Zeit für die Kleine Wäsche.

Der schwarze Duschsack hängt, mit Regenwasser aus der Zisterne gefüllt, am freigegebenen Futterbaum der Esel. Die Sonne wird das Wasser wärmen...

Nicht ganz so schnell, wie ich dachte. Er ist in der unteren Hälfte isoliert, damit sich warmes Wasser nicht so schnell abkühlt und kaltes nicht so schnell warm wird. Je nachdem, wie man es haben möchte. Er ist ein guter Duschsack! Bei 31 Grad im Schatten ist mir auch gar nicht so nach warmem Wasser. Kleine Wäsche geht doch auch mit kaltem. Schließlich soll das Kopfkissen heute noch in der Sonne trocken werden.

Wieder ein Besuch an der Zisterne, diesmal mit der Waschschüssel aus Emaille. Dorthinein flocke ich etwas Waschsoda und geriebene Kernseife. Je einen Stängel Rosmarin und Zitronenthymian für den Duft. Sie sind gerade greifbar. Zuerst der Kissenbezug. Langsam drücke ich ihn unter Wasser, fange an, das Wäschestück zu kneten. Wie das schäumt! Das kühle Seifenwasser rinnt über Hände und Unterarme. Waschen kann sinnlich sein.

Als alle Teile eingeseift sind, kommt der Spülgang im frischen klaren Wasser und schon hängt die Wäscheparade zwischen Flieder und Buche im warmen Wind. Dass das so zufrieden machen kann!

Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht. Ich schätze die Errungenschaften unserer Kultur, ganz vorne mit dabei die Waschmaschine. Oben am Wohnhaus hängt die Große Wäsche, maschinengewaschen. Aber ich freue mich, dass ich es auch anders kann. Ohne Strom und warmem Wasser aus der Leitung. Solange kein Bettbezug gewaschen werden muss.

Gegen Abend, die Wäsche ist längst trocken, ist das Wasser im Duschsack warm! Soll ich duschen oder spülen? Ich entscheide mich, erst zu spülen, danach brause ich mir mit dem Rest den Staub von Armen und Beinen. Der Wassersack hält ja warmes Wasser richtig schön lange warm.

9. Juli 2024

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Butter

Geschüttelt, nicht gerührt!

In der Nacht hat es geregnet. Die warme Erde dampft, ihr Dunst zieht durch die Täler. Ich liebe dieses Schauspiel. Nach dem Füttern von Herde und Rudel und nach der ersten Hunderunde habe auch ich Hunger. Die bildschönen Hähne des Nachbarn krähen allerhöchste Zeit, es ist schon fast sieben.

Für das Frühstück habe ich mir frisches Brot, ein Stück Käse, Marmelade, ein paar Walnusskerne und eine Kugel Butter mitgebracht. Die habe ich mir gestern aus dem Rahm geschüttelt, der sich auf der Rohmilch für den Joghurt abgesetzt hatte. Sie stand vier Tage kühl und hatte herrlich aufgerahmt. Das Abschöpfen ist fast meditativ. Ganz vorsichtig taucht man den Löffel ein, der sich gleich mit der dicken Sahne überzieht. Wie in Zeitlupe sinkt ein schwerer Tropfen zurück in die Kanne. Den Löffel nicht zu tief eintauchen, Sahne und Milch sollen sich nicht wieder verbinden. In einem Marmeladenglas gesammelt, das noch viel Luft nach oben lässt, und mit dem Deckel gut verschlossen, schüttele ich den Rahm kräftig mit beiden Händen, bis er erst Schlagsahne wird und sich kaum noch bewegen lässt. Dann muss man durchhalten, weiterschütteln und plötzlich trennt sich doch die feste Butter von der Buttermilch. Ich trinke sie meist sofort. Frischer geht es nicht!

Bis zu diesem Zeitpunkt braucht man etwa zehn Minuten. Bei mir hat es gestern mit Schlafpausen den ganzen Tag gedauert, weil Kraft fehlte. Die Sahne wartete dann im Kühlschrank. Aber ich habe es geschafft und das zählt.

Das Glas wird noch zwei, drei Mal mit frischem Leitungswasser aufgefüllt und geschüttelt, um die Butter zu reinigen. Sonst ranzt sie schnell.

Das gereinigte Butterklöpschen liegt nun auf meinem Frühstückstisch, um mit etwas Salz und frischen Kräutern veredelt zu werden. Schnittlauch, Oregano, ein federfeines Blättchen von der Schafgarbe und ein paar Blüten des Wiesenthymians habe ich geschnitten. Im Mörser zerdrücke ich die Lebensmittel zu einer würzigen Kräuterbutter.

In den Bäumen ringsum konzertieren die Spatzen, ein Grünspecht keckert, von der übernächsten Wiese höre ich ein Lämmchen blöken. Meine Hunde verfolgen aufmerksam mein Tun. Es könnte ja eine Krume Brot herunterfallen. Josh mag auch Butter. Hinter den beiden schieben sich neugierig zwei Paar lange Ohren herauf, von den Hunden unbemerkt. Die Esel haben ihr Frühstück schon beendet, während meines beginnt.​

11. Juli 2024

Alive and cooking

Entflammt!

Neu im Eselgarten angekommen: der Enders Nelson Gaskartuschen-Kocher. Federleicht ist er und silberglänzend. Nach dem Studium der Bedienungsanleitung hatte ich soviel Angst vor ihm, dass ich ihn zurückschicken wollte. Weil ich aber in seinem Karton ein ausrangiertes Sonnensegel an neue Besitzer verschickt habe, um Platz im Hüttenschrank zu schaffen, ist über die Suche nach einer neuen Verpackung die Rückgabefrist verstrichen.

Nun darf der Kocher also mit uns im Eselgarten wohnen und heute gehe ich mit wenig Lust und sehr viel Trotz ans Ausprobieren. Ich bin ja nicht die erste, die mit so einem Gerät kochen wird. Wird schon gutgehen.

Mein bisheriger Kocher ist ein Raketenofen. Der ist ein schwerer Trumm und kocht mit Holz, wenn er erst einmal brennt, was bei feuchtem Wetter gar nicht so selbstverständlich ist. So schön das Kochen über Feuer auch ist, macht man es doch nicht mal eben an für eine Tasse Tee. Kochen mit dem Raketenofen ist ein, wenn auch reizvolles, Projekt. Deshalb jetzt also die Generalprobe mit dem Enders.

Es wird Linguine in Zitronen-Knoblauch-Sauce geben, inspiriert von einer Freundin aus dem Dorf. Wenn es so gut schmeckt, wie die Zutaten duften... mmh!

Noch bin in unverletzt, obwohl ich gegen den ausdrücklichen Rat des Herstellers das Utensil dem mitgelieferten Plastikkoffer ohne Sicherheitshandschuhe entnommen habe. Das Einlegen der Kartusche ist auch nicht so schwer, wie angedroht. Man darf sie nur nicht ins Ventil drücken, denn dann entweicht Gas. Wenn dann eine Kerze in der Nähe steht! Der Kocher zieht die Kartusche von selbst an, wenn der Schlitz im Ring im Liegen auch wirklich nach oben zeigt und man den Schließmechanismus betätigt. Und vorher die nicht umsonst signalrote Schutzkappe abgenommen hat. Hatte ich übersehen.

Dann kann man schon anfeuern, vorschriftsmäßig draußen: den Temperaturregler bis zum Anschlag aufdrehen, dann noch ein Stückchen weiter zum Zünden und schon prasselt das Feuer unter dem Topf. Dafür hätte ich bei der Holzrakete zehnmal so lang gebraucht. Und die kann ich nicht zwischen Linguine und Kaffeewasser ausmachen. Sie muss ausbrennen und die Asche entsorgt werden. Wie gesagt. Das ist immer ein Projekt.

Aber auch beim Köcheln mit dem Enders muss ich sehr umsichtig sein, denn ich habe Sorge, dass ein kleiner Hund auf den Tisch hüpft und sich die Nase verbrennt, wenn ich mal schnell in der Hütte den Kochlöffel, das Besteck oder ein Brettchen holen muss. Es liegen so wunderbar leckere Sachen darauf, dass es auf die Hunde so wirken muss, als hätte ich sie extra und nur für sie dorthin gelegt. Glücklicherweise geht alles gut. Es ist so einfach und macht obendrein so viel Spaß, dass ich abends gleich noch einmal Spülwasser aufsetze. Ich habe Feuer gefangen wie mein Enders und auf den Wassersack kann man ja nicht warten!

11. Juli 2024

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Enkeltag

Bewegt!

 

Heute ist Enkeltag für Freunde eines Freundes. Jedes Jahr macht das Paar einen ganz besonderen Ausflug mit den Enkeln und der geht in diesem Jahr zu uns in den Eselgarten. Besonders ist auch diese Familie, die da vor mir steht. Respektvoll nähern sich alle vier den Tieren, geben ihnen und sich Zeit, einander kennenzulernen. Routiniert starte ich mein Beschäftigungsprogramm „Füttern, Bürsten, Reiten". Die Esel sind zwar nicht eingeritten und ich wollte es auch nie. Dennoch biete ich Kindern, wenn sie leicht genug sind, an, sich mal auf einen Esel zu setzen, um seine Wärme zu spüren, das Muskelspiel seiner Bewegungen und die größtmögliche Nähe.

Aber die Kinder wissen es besser als ich. Zuerst muss innere Nähe da sein. Erst dann sind sie bereit für die äußere. Von sich aus sagen sie irgendwann: "Jetzt würde ich gerne", finden ihr Gleichgewicht auf den Eselrücken und ihren ganz eigenen, persönlichen Zugang zu den Tieren. Die Geschwister geben sich bald vollkommen den Tieren hin und lassen sich von den Eseln tragen, wohin immer diese in ihrem eingezäunten Bereich wollen. Er ist so gestaltet, dass Rosi und Lotte viel herumlaufen und sich hinter Bäumen verstecken können. Ganz bald nehmen wir auch den Voltigiergurt ab, an dem sich die Kinder festhalten können. Er ist ein Fremdkörper und gehört heute nicht zwischen Tier und Mensch. Eine neue Erfahrung ist das, auch für mich. Ich brauche nicht zu versuchen, Rosalie voran zu ziehen, obwohl ihre Ohren noch nach hinten zeigen, um zu erfassen, was da auf ihrem Rücken passiert. Lotte kann so herumbummeln, wie sie es mag. Oma, die Rosalies Augenpünktchen so hübsch findet, richtet das Picknick auf dem Holztisch inmitten der Laufroute an. Phantastisches Gebäck bringt sie mit, mit herrlich bunten Zuckerperlen, wie es nur Omas mit dieser Oma-Liebe backen und wie die Enkel es lieben.

Wo sind nur die Stunden geblieben? Kinder und Esel sind miteinander verschmolzen, kommen kaum mehr voneinander los. Erst als Pläne zu einem neuen Besuch geschmiedet werden, lösen sie sich, obwohl große Schwester und kleiner Bruder Rosalie und Lotte wirklich gern mit nach Hause nehmen würden. Sie könnten vielleicht im Holzschuppen... ? Aber Mama würde das nie erlauben. Da kennen Kinder ihre Mütter gut. Und leider passen die Esel auch nicht in Omas Auto.

Herzens-Menschen, würde eine Freundin jetzt sagen.

Den Respekt, den diese Familie "meinen" Tieren entgegengebracht hat, gebe ich an sie zurück und zeige keine Fotos. Dieses kostbare Erlebnis können wir auch gar nicht in nur zwei Dimensionen abbilden.

 

13. Juli 2024

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